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Euregioverlag - Kassel & Region, Kunst & Kultur
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Jochum, Eckhard (Redaktion)
Unterneustadt Kassel
Ein Architekturführer

Herausgegeben von der PEG Kassel Unterneustadt



Redaktion: Eckhard Jochum,

Gestaltung: Constantin Meyer

2. Auflage 2002



Umfang: 68 Seiten durchgängig vierfarbig, Softcover

Viele wundervolle Fotos: Faszinierende Aufnahmen, die einen Blick für die Handschrift der einzelnen Architekten verraten.



euregioverlag 2001

ISBN: 978-3-933617-09-5



Preis: 12.90 €
(Preis inkl. Mehrwertsteuer zzgl. Versandkosten)
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Rezensionen
„Nun können Architekturinteressierte bei ihren Streifzügen durch die neuen Straßen auf altem Grundriss ein Buch zur Hand nehmen, das Auskunft über Bauherren und Architekten gibt. Die Gestaltung übernahm der junge Kölner Architekturfotograf Constantin Meyer, der auch die meisten Fotos beisteuerte. Faszinierende Aufnahmen, die einen Blick für die Handschrift der einzelnen Architekten verraten. Das stimmungsvolle Umschlagfoto des Architekturführers zeigt die Unterneustadt von der Karl-Branner-Brücke aus. Es macht neugierig auf das Buch und einen Bummel durch das neue Quartier an der Fulda.“



„Dass der Gang über die Karl-Branner-Brücke sich lohnt, zeigt auch der Architekturführer der PEG mit Fotos des jungen Kölner Architekturfotografen Constantin Meyer, erschienen im Kasseler euregioverlag. Das Buch soll handlicher Begleiter sein für den Stadt-Spaziergang und zugleich die verschiedenen Handschriften der beteiligten Architekten dokumentieren.“
Mehr Infos
Die Unterneustadt ist ein Städtebauprojekt mit beispielhafter Architektur, „geadelt“ mit dem Expo-Siegel und vielbeachtet als zweites documenta urbana-Projekt: Jetzt folgt eine Veröffentlichung über die „gebaute Architektur“. Dafür gibt es gute Gründe, denn das Projekt Wiedergründung Unterneustadt hat, auch wenn es primär ein Städtebauprojekt mit ganz konkreten Ansprüchen und Zielvorgaben ist und bleibt, erfreulich viel gute Architektur hervorgebracht. Die Projektziele haben unter anderem darin bestanden, ein Stück lebendige, urbane Stadt zu bauen, innenstadtnah und direkt am Fluss, die Methode der Kritischen Rekonstruktion auf ihre Tauglichkeit hin zu erproben und dabei den alten, überlieferten Stadtgrundriss als Folie für den Wiederaufbau zu nutzen.
Inhalt
Vorwort 4



Karl-Banner-Brücke

Planungsgemeinschaft Kochta/Grassl 12



Christophstraße

4 Architekturbüro Klaus Hartmann 14

8 Architekturbüro Prof. Dr. Enno Schneider 16

10 LM-Architekten 18

14 Baufrösche 34

18 Bieling & Bieling Architekten 20

20 LM-Architekten 22

19 Architekturbüro Schmidt-Kestner † & Brocke 56

21, 23, 24 Streckebach & Zeitraum Architekten 24

25 Baufrösche 32

26 Wohnstadt 28

27 Baufrösche 32

28, 30, 32 LM-Architekten 30



Sternstraße

5, 7 LM-Architekten 38

9, 11 HHS Planer + Architekten 40

12a, 12b, 12d, 12e Harald Werner, Architekt 44

12c Andreas Zoldan, Architekt 46

14 Prof. Penkhues Architekten 48

16 Reichel Architekten 50



Bettenhäuser Straße

4, 6, 8 Architekt Hans Albrecht 54

10 Architekturbüro Schmidt-Kestner † & Brocke 56



Maulbeerplantage

16 Beissner - Gibhardt Architekten 60

18 Prof. Penkhues Architekten 62



Anhang

Architekturbüroverzeichnis - Zusatzinformationen 64

Abbildungsnachweis 67

Impressum 67
Vorwort
Kassel Unterneustadt

Ein Städebauprojekt mit beispielhafter Architektur




Gadelt mit dem Expo-Siegel und gleichzeitig vielbeachtetes zweites documenta urbana-Projekt: Und jetzt noch ein Architekturführer? Das aber hat gute Gründe, denn das Projekt Wiedergründung der Unterneustadt hat, auch wenn es primär ein Städtebauprojekt mit ganz konkreten Ansprüchen und Zielvorgaben ist, erfreulich viel gute Architektur hervorgebracht.



Die Projektziele haben darin bestanden,

- ein lebendiges, urbanes Viertel zu bauen, innenstadtnah und direkt am Fluss,

- die Methode der Kritischen Rekonstruktion auf ihre Tauglichkeit hin zu erproben und dabei den alten, überlieferten Stadtgrundriss als Folie für den Wiederaufbau zu nutzen,

- den vom Parlament beschlossenen, mit Öffentlichkeit, Politik und Fachwelt umfassend diskutierten Rahmenplan möglichst inhaltsgetreu umzusetzen,

- den unterschiedlichen Akteuren und Stadtgründern entsprechende Chancen und Tätigkeitsfelder einzuräumen und

- die Leistungsfähigkeit eines Private-Public-Partnership-Modells bei der Umsetzung einer komplexen städtebaulichen Aufgabe zu testen.



Auch wenn schon häufig auf diese Ziele und Aufgaben hingewiesen wurde, die das Projekt für die Stadt Kassel und den ganzen Stadtteil Unterneustadt erfüllen soll, wollen wir die Gelegenheit nutzen, den städtebaulichen Hintergrund noch einmal aufzuzeigen. Denn dieser hat ganz offensichtlich mit dazu beigetragen, dass schon bei "Halbzeit" so gute Architektur hat entstehen können:



Das Ziel: Die urbane Stadt

Die Stadt Kassel hat sich vorgenommen, den im Krieg zerstörten, direkt am Fuldaufer gelegenen Kern der Unterneustadt wieder aufzubauen. Jahrzentelang wurde diese wertvolle, exponierte Fläche nur als Parkplatz und für die Kirmes genutzt. Beim Wiederaufbau wird an den alten Stadtrundriss und die frühere kleinteilige Parzellierung angeknüpft. Die alte Stadt wird in moderner und zeitgemäßer Architektur, in städtebaulicher Vielfalt, gemischter Nutzung und unter Integration verschiedener Akteuere wieder entstehen. Hier am Fluss, in unmittelbarer Citynähe, soll künftig wieder gewohnt, gearbeitet, Sport getrieben, das heißt gelebt werden.



Die Wiederaufbaumethode: Die Kritische Rekonstruktion

Vorbild für die Wiedergründung ist der alle historische Schichten widerspiegelnde Stadtgrundriss von 1943, unter Berücksichtigung und Integration wesentlicher städtebaulicher Elemente der vergangenen 50 Jahre. Diese Methode des Wiederaufbaus wird als Kritische Rekonstruktion bezeichnet. Sie beinhaltet u. a. die Aufnahme des ursprünglichen Straßennetzes, die Wiederherstellung der ehemaligen Plätze (Holzmarkt und Unterneustädter Kirchplatz) sowie die Umgestaltung der Leipziger Straße, einer sechsspurigen Ausfallstraße in Richtung Osten, zum vierspurigen, städtischen Boulevard. Erst durch diesen Umbau können die durch die Leipziger Straße getrennten Stadtviertel - Blücher- und Hafenviertel - wieder zusammenwachsen.



Der Rahmenplan: Das für alle verbindliche Wiederaufbaukonzept

Nach dem Beschluss der Kasseler Stadtverordnetenversammlung vom Juli 1994 zum Einstieg in den Wiederaufbau ist in einem einjährigen öffentlichen Fachdialog ein Planwerk entstanden, das konkrete Vorgaben für die Realisierung und präzise Aussagen für weitere planerische Vertiefungen festsetzt. Auch dieser Plan ist vom Kasseler Parlament beschlossen worden und hat sich in der späteren Umsetzung als erfolgreiches Steuerungsinstrument erwiesen.



Die Akteure: Unterschiedliche Bauherren

Im Vordergrund dieses anspruchsvollen Planungskonzeptes stehen zahlreiche Bauherrren, Investoren und Wohnungsbaugesellschaften, die auf Einzelparzellen, aber auch blockweise, als Stadtgründerinnen und Stadtgründer aktiv werden. Basis ihrer Aktivitäten sind nicht nur Rahmen- und Bebauungsplan, sondern eine aufwändige Moderation und Beratung durch die Projektentwicklungsgesellschaft.



Die Realisierung: Ein Private-Public-Partnership-Modell

Die Verwirklichung des modellhaften Anspruchs, ein lebendiges, urbanes Viertel zu schaffen, bedurfte eines neuen, integrativen Ansatzes. Hierzu haben sich die Stadt Kassel, die Kasseler Sparkasse und die Landesbank Berlin zu einer PPP-Gesellschaft zusammengeschlossen. Diese speziell für die Aufgabe der Wiedergründung der Unterneustadt geschaffene Entwicklungsgesellschaft koordiniert alle Maßnahmen. Unmittelbar nach den Beschlüssen der Kasseler Stadtverordnetenversammlung hat die Gesellschaft mit der Umsetzung des Rahmenplanes begonnen. Ende 2000 waren bereits rund 50 Prozent der Hochbaumaßnahmen und Teile der öffentlichen Erschließung realisiert. Alle anderen vorlaufenden Aufgaben wie die Verlagerung der vorhandenen Nutzungen, die Herstellung der technischen Infrastruktur, der Bau der neuen Fußgängerbrücke und der Umbau der Leipziger Straße sind inzwischen abgeschlossen.



Die Bürgerbeteiligung: Eine positive Erfahrung

Wie die Rahmenplanung wird auch die Realisierung mit intensiver Bürgerbeteiligung vollzogen: Mit einem ausschließlich für dieses Projekt gegründeten Gremium - dem Forum Unterneustadt - werden alle Maßnahmen und Aktivitäten der Projektentwicklungsgesellschaft öffentlich beraten und erörtert. Die Bündelung der vilefältigen, anspruchsvollen städtebaulichen Ziele und Projektbausteine hat die Wiedergründung der Unterneustadt von Anfang an zu einem modellhaften Wiederaufbaubeispiel gemacht. Deshalb ist die Unterneustadt eines der weltweiten Expo-Projekte geworden und deshalb kann auch zu Recht von der Unterneustadt als einer zweiten documenta urbana gesprochen werden.

Die erreichte gute Architekturqualität ist weder zufällig noch im Widerspruch zum Rahmenplan entstanden. Das allerdings bedarf - über die Beschreibung des Projekthintergrundes hinaus - einer Erläuterung und Konkretisierung, weil das Unterneustadtprojekt diesbezüglich eben keinen Anspruch formuliert hat. Die Erläuterung fällt nicht schwer, denn die Projektentwicklungsgesellschaft hat eine ganze Reihe gezielter und nachvollziehbarer Maßnahmen ergriffen, die erfreulich oft zu einem positiven Ergebnis - guter Architektur nämlich - geführt haben:



Wettbewerbe

Eine der ersten Aktivitäten der neu gegründeten Entwicklungsgesellschaft ist die Auslobung von zwei wichtigen Wettbewerben: für die Stadtvillen und für die neue Fußgängerbrücke über die Fulda. Für die Stadtvillen "extra muros", vor der Zollmauer, direkt am Fluss und unmittelbar in der Nähe des ehemaligen Parks wird 1996 ein offener einstufiger Realisierungswettbewerb mit zusätzlichen Einladungen ausgelobt. Unter dem Vorsitz von Prof. Inken Baller werden aus den eingereichten 77 Arbeiten acht erste Preise vergeben: Von acht Villen sind bis heute fünf gebaut. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Nach einem EU-offenen Teilnahmewettbewerb wird für die neue Brücke ein begrenzt offener einstufiger Realisierungswettbewerb ausgeschrieben. 103 Bürogemeinschaften aus Architekten und Ingenieuren reichen ihre Unterlagen bei dem Teilnahmewettbewerb ein; daraus werden 18 Bürogemeinschaften ausgewählt und zur Teilnahme aufgefordert. Zwei ausländische Büros sind zusätzlich eingeladen worden. Die Entscheidung des Preisgerichts im März 1997, wieder unter Vorsitz von Prof. Inken Baller, fällt auf das Architekturbüro Kochta, Berlin und das Ingenieurbüro Grassl, München. Nach schwieriger Planungsphase und einjähriger Bauzeit wird die Brücke am 09.09.2000 unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit ihrem Zweck übergeben und auf den Namen Karl-Branner-Brücke getauft. Neben der aus gesamtstädtischer Sicht großen Bedeutung dieser Brücke wird die erreichte architektonische Qualität allseits gelobt.



Workshops

Für den zentralen Bereich des ehemaligen Waisenhausgrundstückes mit der wichtigen Kindertagesstätte wird - in enger Kooperation mit drei Wohnungsbaugesellschaften und fünf ausgewählten Architekturbüros - eine Serie von Workshops durchgeführt. In einem beispielhaften Diskurs werden ab September 1997 zahlreiche Entwurfsvarianten erörtert und aufeinander abgestimmt. Zwei zentrale Blöcke werden parzelliert und unter den drei Gesellschaften aufgezeilt; die Ergebnisse der Workshops fließen in den Bebauungsplanentwurf ein. Das Gesamtergebnis war ein qualifiziertes städtebauliches und architektonisches Konzept, das dem Rahmenplan mit seiner Parzellierungsphilosophie Rechnung trägt, die Vorgeschichte des Grundstücks modern interpretiert und den öffentlich geförderten Wohnungsbau in seiner im Bundesland Hessen gegebenen Bandbreite hochwertig repräsentiert.

Neben der bemerkenswerten Architekturqualität, die dieses aufwändige Verfahren geliefert hat, muss hervorgehoben werden, dass die Realisierung des ersten autofreien Quartiers Kassels insbesondere dem außergewöhnlichen Engagement der drei Wohnungsbaugesellschaften zu verdanken ist.

Für den städtebaulich und in Bezug auf das Gesamtprojekt so wichtigen Unterneustädter Kirchplatz findet im März 2000 ebenfalls ein Workshop statt. Daran nehmen die Bauträgergesellschaft der Grundstückserwerber und zwei Architekturbüros teil. In diesem Verfahren werden die Grundprinzipien der Gestaltung des Kirchplatzes und der ihn umgebenden Gebäude mit den Bauherren erarbeitet und aufeinander abgestimmt. Das Workshopverfahren war deshalb von besonderer Bedeutung, weil die Wiederherstellung des Platzes durch das Heranrücken der geplanten Bebauung an die Platzkanten eine grundsätzliche Veränderung der Raumstruktur bedeutet. Mit dem Ergebnis wird das Ziel erreicht, die aus dem Barock stammende architektonische und städtebauliche Grundform zu wahren. Während im Barock verbindliche Gebäudehöhen vorgegeben worden sind, legt der Workshop die Erdgeschosszone als verbindendes Architekturelement fest. Dadurch wird es möglich, über dem Ergeschoss in freien Formen zu agieren, ohne mit der Platzform zu konkurrieren.



Jury

Für alle anderen Ojekte, die nicht Gegenstand von Wettbewerben oder Workshops gewesen sind, finden Jurysitzungen statt, in denen Fragen der architektonischen Gestaltung und der städtebaulichen Einfügung beraten werden. Die Jury hat die Aufgabe, Hüterin des Qualitätsanspruches zu sein und bei jedem einzelnen Vorhaben die Prinzipien und die Philosophie des Gesamtprojektes im Auge zu behalten und gegebenenfalls anzumahnen. Nicht dogmatisch, sondern konkret und nachvollziehbar. Dabei sind auch wirkschaftliche Argumente von Bedeutung und der Konsens mit Bauherren und Architekten Vorgabe und Ziel. An vielen Stellen im Quartier bestätigen die inzwischen sichtbaren Resultate nicht nur den Erfolg des Verfahrens, sondern auch das Engagement und das Enfühlungsvermögen von Bauherren und Architekten. Auch der Tatbestand, das sich Fachbeirat und Forum Unterneustadt immer wieder, und das häufig unter den Augen einer aufmerksam-kritischen Öffentlichkeit und Presse, mit bestimmten Gebäudeplanungen befasst haben, führt zu einer deutlich gesteigerten Sensibilität in Sachen Architektur.



Natürlich hat auch die Tatsache, dass die Wiedergründung der Unterneustadt spätestens ab 1997 durch die Expo-Brille betrachtet wurde und als zwiete documenta urbana im Gespräch gewesen ist, eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt. Auf diese Weise hat sich für alle Beteiligten, auch und insbesondere die Architekten, das Image und das gesteigerte öffentliche Interesse bemerkbar gemacht, das dem Projekt insgesamt entgegen gebracht worden ist. Hinzu kommt die Moderationsleistung der Projektentwicklungsgesellschaft: Bauherren und Architekten haben in ihr eine Institution vorgefunden, die ihnen allzeit motivierend, beratend, erläuternd und unterstützend zur Seite gestanden hat - vom Erwerb des Gründstücks bis hin zur Erteilung der Baugenehmigung.



Eckhard Jochum

Heinz Spangenberg
Leseproben
Architektur- und Ingenieurbüro Klaus Hartmann, Calden

Bauherr: Matthias Saur Immobilien



Wohnen an der Fulda - aufgrund der guten Lage mit Blick direkt auf den Fluss wurde, in Abstimmung mit dem Bauherren, großer Wert auf die Ausrichtung der Wohnungen zur Fulda hin gelegt. Vor- und Rücksprünge (Erker und Eingang) gliedern die Fassade zur Christophstraße. Die neuen Komfort-Wohnungen (zwischen 70 und 108m²), alle auch erreichbar mit dem Aufzug, haben jeweils einen Balkon sowie große Fensterflächen fuldaseits. Das zurückgesetzte Penthouse verfügt über sehr großzügige Dachterrassen.
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