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Aktuelles
Dr. Eva Schulz-Jander ist neue Ehrenbürgerin der Stadt Kassel
„Eva Schulz-Jander hat die Kasseler Stadtgesellschaft in unvergleichlicher Weise mitgeprägt, indem Sie sich seit Jahrzehnten für ein tolerantes und respektvolles Miteinander eingesetzt haben. Ihr herausragendes Wirken hat das kulturelle Leben unserer Stadt auf vielfältigen Gebieten unglaublich bereichert und die Neugestaltung und Weiterentwicklung des jüdischen Lebens in Kassel und unserem Land wesentlich mitgeprägt“, so Oberbürgermeister Christian Geselle in seiner Laudatio.
Kassels neue Ehrenbürgerin habe es auf ihre besondere Weise vermocht, nach der Shoa für die Versöhnung in unserem Land einzutreten. In Ihrer Person repräsentiere sie geradezu den christlich–jüdischen Dialog.

Geboren wurde Eva Schulz-Jander 1935 in Breslau. Ihr jüdischer Vater war in den
Konzentrationslagern Buchenwald und Sachsenhausen inhaftiert, ihre katholische Mutter musste Zwangsarbeit leisten. Die traumatischen Erfahrungen in jungen Jahren durch Verfolgung, Flucht und Vertreibung habe Dr. Schulz-Jander später zu einem "segensreichen und nachhaltigen Engagement motiviert", sagte Geselle.

Nach einer Odyssee 1945 als sog. displaced persons erhielt die Familie 1950 ein Visum für die USA und landete in Texas. Dort studierte Dr. Schulz-Jander Romanistik und Philosophie. Ihren späteren Mann Prof. Burkhard Schulz-Jander lernte sie als Fulbright-Studenten in den USA kennen und folgte ihm 1967 nach Deutschland, zunächst nach Freiburg, wo sie an der Universität Freiburg arbeitete und zwei Kinder zur Welt brachte.

1975 zog die Familie nach Kassel, wo Prof. Schulz-Jander eine Berufung an der neu gegründeten Universität erhielt. In Kassel wurde die Volkshochschule zu ihrer beruflichen Heimat, an der sie seitdem Englisch, moderne Literatur und Frauenfragen unterrichtet. Sie moderierte unzählige Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen zu Themen des Nationalsozialismus‘, zur Geschichte
Israels, dem Nahostkonflikt, zu Religionswissenschaft und Philosophie oder zu Aspekten des jüdischen Lebens.

Eva Schulz-Jander beschreibt die VHS als ihr Tor nach Kassel. Hier begegnete sie Dr. Wolfgang Hallwachs, der ihr von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit erzählte. Dies wäre eine Arbeit, die sie definieren würde und die mit ihrer Geschichte verwickelt sei. Mit ihrer katholischen Mutter und ihrem jüdischen Vater, den unzähligen jüdischen Tanten, die immer alles besser wüssten und sich stets um ihr Leben in Deutschland sorgten. Diese Gesellschaft wäre die Antwort auf die jüdischen Sorgen. Sie wurde Mitglied und lernte Menschen kennen, die den Jahren zwischen 1933 und 1945 nicht gleichgültig gegenüber standen, sondern gegen das Vergessen kämpften, um einen bessere Gesellschaft mit aufzubauen.
Kassel, ein Ort mit solchen Menschen, hier konnte sie bleiben.

1991 bis 2013 war Dr. Eva-Maria Schulz-Jander Geschäftsführerin der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. 1995 wurde sie in den Vorstand des Deutschen Koordinierungsrates der bundesweit 80 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit berufen und hatte von 2001 bis 2016 das Amt der Katholischen Präsidentin inne. In diesen Funktionen war sie unter anderem maßgeblich an der Organisation der jährlich bundesweit stattfindenden "Woche der Brüderlichkeit" beteiligt. Diese Veranstaltung findet deutschlandweit große Beachtung und 2013 holte Eva Schulz-Jander dieses Ereignis mit der Preisträgerin Mirjam Pressler und dem Fritz Bauer-Institut nach Kassel.

Darüber hinaus war sie Mitbegründerin des Runden Tisches der Kasseler Kulturgesellschaften und ist im Vorstand des Kasseler Kulturforums. Maßgeblich war auch ihr Anteil an der Veranstaltungsreihe und Buchveröffentlichung "Erinnern und Erben in Deutschland", die 1999 im euregioverlag erschien. Darüber hinaus war sie Mitherausgeberin des Sammelbandes über den Kasseler Religionsphilosophen Franz Rosenzweig (2011) und publizierte die Erinnerungen an den glücklichen
Juden Hans Mosbacher „ Von Kassel nach Haifa“ (2008).

Hintergrund – Kasseler Ehrenbürger seit 1830
In § 28 Hessische Gemeindeordnung (HGO) heißt es: "Die Gemeinde kann Personen, die sich um sie besonders verdient gemacht haben, das Ehrenbürgerrecht verleihen." Unter den bisher 42 Ehrenbürgern, die seit 1830 von der Stadt Kassel ernannt wurden, sind der erste OB Karl Schomburg und der Komponist Louis Spohr. Erst drei Frauen erhielten bislang die Ehrenbürgerwürde: die Schriftstellerin Christine Brückner, die Holocaust-Überlebende Sara
Nussbaum sowie die Juristin und Politikerin Dr. Elisabeth Selbert. Zuletzt hat die
Stadtverordnetenversammlung das Ehrenbürgerrecht im Jahr 2010 verliehen.
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